Natur Photowelt
Natur & Makrofotografie
Mit "Makro“ benennt man im Allgemeinen die Objektiv- oder Konvertereigenschaften, die es einem ermöglichen mit ausreichender Qualität und Abbildungsgröße Nahaufnahmen anzufertigen.
Streng genommen, nach DIN 19040 (Begriffe der Fotografie), ist der Abbildungsmaßstab zwischen 1:10 (Verkleinerung) bis 10:1 (Vergrößerung), als Makrofotografie benannt. Man kann auch lesen, bei Abbildungsmaßstäben oberhalb 1:1 beginne die Mikrofotografie.
Herkömmliche Objektive erzielen in der Regel Abbildungsmaßstäbe bis 1:10. Erst mit dem Einsatz von Makro-Objektiven, Nahlinsen, Makrokonvertern, Balgengeräten, Zwischenringen bzw. einem Objektiv in Umkehr-Stellung, erzielt man größere, die als Makro bezeichneten Abbildungsmaßstäbe.
Nahlinsen + Makrokonverter + Vorsatzobjektive
In der einfachsten Ausführung handelt es sich um Objektivvorsätze mit einer Linse, die in das Filtergewinde eines Objektivs eingeschraubt werden können. Die Stärke und der Vergrößerungseffekt einer Nahlinse werden dabei in Dioptrien angegeben. Diese oftmals auch als Close-Up bezeichneten Linsen stellen den Einstieg in die Nah- und Makrofotografie dar. Sind Abbildungsmaßstäbe bis etwa 1:4 noch in guter Qualität erreichbar, so lässt die Abbildungsleistung bei höheren Abbildungsmaßstäben, vor allem im Randbereich schon merklich nach. Diese werden auch in Sets, die Linsen mit 1 dpt, 2 dpt und 4 dpt beinhalten angeboten. Damit kann man eine Brechkraft in Stufen bis zu 7 dpt erreichen, sollte aber erfahrungsgemäß keine zu hohen Erwartungen an die Aufnahme Qualität stellen.
Eine höherwertige Variante bezeichnet man als Makrokonverter oder Achromat (mehrere verklebte od. verkittete Linsen). Hierzu zählt auch die von mir verwendete MCON-40 Makrokonverter mit 2,5 Dioptrien. Durch den Einsatz von zwei bzw. mehreren Linsen ist es möglich Abbildungsfehler, wie z. B. chromatische Aberration, besser zu kompensieren bzw. zu minimieren. Dies schlägt sich natürlich auch in den Anschaffungskosten nieder, was ich an dieser Stelle nicht verschweigen möchte. Ein großer Vorteil dieser ist, dass im Gegensatz zum Einsatz von Zwischenringen oder Balgengeräten der Lichtverlust zu vernachlässigen ist und somit keine Belichtungskorrektur berücksichtigt werden muss.
Eine weitere Steigerung des Abbildungsmaßstabes lässt sich mit so genannten Vorsatzobjektiven erreichen. Bei der von mir verwendeten Raynox Variante, handelt es sich dabei um eine mit 3 Linsen bestückte Optik, die mittels Schnappfassung am Objektiv (Filtergewinde) befestigt wird. Diese Optiken erlauben Vergrößerungen von 4-fach (DCR-150) bis zu 27-fach (MSN-500), im Vergleich zur größten möglichen Abbildungsleistung bei z. B. meiner Kamera ohne Vorsatzoptiken. Diese können aber nur mit höheren Brennweiten, DCR-150 ab ca. 135mm, genutzt werden, da ansonsten Vignettierungen in den Randbereichen der Aufnahmen auftreten. Mittels Filtergewinde-Adapterring lassen diese sich dann bei Bedarf nochmals mit einem Achromat kombinieren. Diese Makrokonverter, werden für die verschiedensten Kameramodelle angeboten.
Makroobjektive
Diejenigen von euch, die eine Spiegelreflex Kamera besitzen, können über die Anschaffung eines Makro-Objektives nachdenken.
Bei den gängigsten Brennweiten handelt es sich um 50/55/60 Millimeter im Standardbereich sowie 90/100/105 Millimeter im gemäßigten Telebereich. Grundsätzlich gilt hierbei: Je kürzer die Brennweite, desto geringer ist der Arbeitsabstand zum Motiv.
In der Regel ermöglichen Makro-Objektive es, ohne weiteres Zubehör, einen Abbildungsmaßstab von beispielsweise 1:2 oder 1:1 zu erzielen. Diese lassen sich natürlich auch wieder mit den oben erwähnten Vorsätzen kombinieren.
Wenn Ihr nicht sicher seid, welchen Abbildungsmaßstab eure Kombination von Kamera, Objektiv und Vorsatz erreicht, könnt Ihr mit einer Reihe von Testaufnahmen (Lineal), diesen relativ gut bestimmen.
Retro-Adapter bzw. Umkehrringe, Zwischenringe und Balgengeräte
Weitere Möglichkeiten für Spiegelreflex Kameras ergeben sich durch Verwendung von Normal-Objektiven in Umkehr bzw. Retro Stellung. Diese werden mittels Adapter umgekehrt an den Objektivanschluss der Kamera angesetzt.
Ohne aufwendige technische Ausrüstung könnt Ihr mit Hilfe dieser Adapter erstaunliche Ergebnisse erreichen. Bei der Verwendung von Normal- und Weitwinkelobjektive mit Festbrennweiten lassen sich hierbei Maßstäbe im Bereich 1:1 und Vergrößerungen erreichen.
Ebenfalls möglich ist eine Kombination mit Zwischenringen und Balgengeräten für besonders starke Vergrößerungen. Bei Einsatz dieser spricht man von einer Auszugsverlängerung. Das bedeutet, dass durch die Vergrößerung der Entfernung des Objektivs von der Film bzw. Sensorebene, die kürzeste Einstellentfernung des Objektivs verringert wird. Optische Verluste sind hierbei nicht zu erwarten, da Zwischenringe und Balgengerät keine optischen Linsenelemente enthalten. Ein Nachteil besteht aber darin, dass weniger Licht beim Einsatz dieser zum Sensor der Kamera gelangt. Ihr solltet bei Anschaffung dieser darauf achten, dass Ihr die Automatik Varianten ersteht. Bei diesen wird der Lichtverlust dann während der Aufnahme automatisch berücksichtigt.
Fazit
Die "eierlegende Wollmilchsau" kann auch ich euch nicht aufzeigen. Sinnvoll ist auf jeden Fall, gerade in der Kompakt Kameraklasse, auf eine Adaptionsmöglichkeit mittels Filtergewinde zu achten. Damit haltet Ihr euch schon viele Wege offen. Mein Tipp, erst einmal weniger kostenintensiv beginnen. Eine Nahlinse günstig erstehen, und dann raus in die Natur und experimentieren. Erst einmal Erfahrung sammeln, und dann für "euren" Einsatzzweck weiteres Zubehör erwerben. Bedenkt auch, dass Vorsatz-Optiken in der Regel, bei einem Systemwechsel problemlos übernommen werden können. Ich nutze heute noch meine Cokin Filter aus früheren Jahren an meiner Nikon D80. Letztendlich, am Schluss, ist dann alles eine Kosten/Nutzen Frage, die jeder für sich selbst entscheiden sollte.
Habt Ihr schon einmal Nahaufnahmen mit eurem Kameramodell gemacht?
Mein Banner, der Grashüpfer, entstand z.B. mit meiner Olympus Camedia 3 Megapixel Kamera im Jahr 2002 ohne jegliches Zubehör. Testet erst einmal, eure vorhanden Möglichkeiten aus! Es ist unglaublich was die heutigen Digitalkameras bereits ohne den Einsatz von Zubehör ermöglichen.
Ein Tipp aber noch von mir am Rande. Technische Daten und Testergebnisse sind bestimmt eine Orientierungshilfe in diesem großen Marktsegment, aber Entscheidungen beim Kamera bzw. Zubehörkauf, treffe ich inzwischen nur noch unter der Berücksichtigung von Bildergebnissen und Usermeinungen. Sucht z.B. bei penum.de in der Bildergalerie einmal nach dem Begriff "Raynox". Ein Blick in das Forum nutzt auch immens, dann kennt Ihr die Vorzüge und Nachteile eurer Kamera Ausrüstung bereits vor dem Kauf.